Mutter sein mit Boderline Teil 4

Was ist eigentlich das Problem wenn eine Mutter eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hat?
Ich kann hier natürlich nur von mir sprechen.
Nun ja… gehen wir doch mal die neuen Kriterien durch von denen fünft zutreffen müssen um eine BPS diagnostiziert zu bekommen.

  1. Verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern.

    Jede Sekunde die ich alleine bin ist die reinste Hölle für mich. Um das zu vermeiden, nehme ich auch in Kauf mich mit Menschen zu umgeben die mir nicht gut tun.

  2. Muster von instabilen und intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung gekennzeichnet ist.

    Besonders in Streit-Situationen passiert es mir ganz schnell das ich mein gegenüber unverhältnismäßig Abwerte, während ich aber außerhalb dieser Situation diese Person schon fast vergöttern kann. Bei meiner Tochter passiert mir das auch, besonders gern bei der zu Bett geh Situation wo sie immer „rum zickt“.

  3. Identitätsstörung: eine ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder des Gefühls für sich selbst.

    Nein, würde ich nicht sagen dass das bei mir zutrifft. Ich bin immer streng. Es hängt aber von meinem gegenüber ab wie liebevoll ich bin.

  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (Geld ausgeben, Sex, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Essanfälle).

    Auf jeden Fall ist dieser Punkt zutreffend. Bei mir ist es das rücksichtslose fahren (natürlich nur wenn meine Tochter nicht dabei ist) und ich hungere statt Fress-Anfalle zu bekommen. Sex ist auch eine von mir beliebte Methode um mich selbst zu verletzten.

  5. Wiederkehrende Suiziddrohungen, -andeutungen oder -versuche oder selbstschädigendes Verhalten.

    Jup!!!

  6. Affektive Instabilität, die durch eine ausgeprägte Orientierung an der aktuellen Stimmung gekennzeichnet ist (z.B. starke episodische Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst).

    Jeder Tag ist anders mal stehe ich auf und bin den ganzen Tag nur genervt von alles und jedem. Selbst wenn ich mir vorgenommen habe gute Laune zu haben weil ich mit meiner Tochter Drachen streiten lassen wollte.

  7. Chronisches Gefühl der Leere.

    Das habe ich nicht so richtig, eigentlich fühle ich immer irgendwas. Es ist aber ab und zu leichter nix zu fühlen um nich zu funktionieren.

  8. Unangemessene, starke Wut oder Schwierigkeiten, Wut und Ärger zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernder Ärger, wiederholte Prügeleien).

    Das ist das was mich aus macht. Und das ist auch das was mich dazu veranlasst hat meine Tochter bei ihrem Vater zu lassen. Ich wollte das meiner kleinen nicht antun.

  9. Vorübergehende, stressabhängige paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

    Nein, das ist mir so noch nie passiert.



Das macht bei mir also sechs von neun Kriterien die zutreffend sind. Schon allein wenn man sich diese Punkte durchliest, kann man schon erahnen, dass es problematisch werden kann wenn man so ein Kind erziehen möchte. Auch alle anderen zwischen menschlichen Beziehungen leiden darunter.
Jedoch ist das aller wichtigste zu wissen das man diese Defizite hat und sie somit auch angehen kann. Das angehen dieser Probleme kostet aber Zeit und sehr viel kraft. Auch wenn es erstmal aussieht als würde man vor dem Olympus Mons stehen, der unüberwindbar scheint, kann ich sagen das es sich für mich gelohnt hat diese Reise auf mich zu nehmen. Selbstredend fühle ich mich noch weit weg vom Kipfel. bis es mit Sicherheit auch noch, aber ich komme ihm Schritte für Schritt nähe.

Meine Tochter wird mit der Zeit auch älter so das sie immer mehr versteht was mit Mama los ist. Wir lernen gemeinsam. Als sie noch ein Baby war, war ich auf ganz viel Hilfe angewiesen. So hat sie z.B. das erste mal schon mit 6 Wochen eine Nacht bei meiner Mutter verbracht weil ich absolut fertig war.
Ich bin froh, dass ich zu dieser Zeit und auch heute noch eine Familie hinter mir zu stehen habe die da ist wenn es nötig ist.

Ich habe damals den Fehler gemacht und habe mich komplett verschlossen und bin mit Isabel nicht raus gegangen. Ich habe mich von meiner Umwelt abgeschottet. Fühlte mich allein, ganz allein, ihr Vater konnte es nicht auffangen.

Als Isabel mit 5 Monaten in die Kita kam war ich froh, froh das ich endlich „frei“ war. Dieses Gefühl war gut, hatte aber den Beigeschmack der Frage: Was bist du nur für eine Mutter wenn du dich freust das dein Kind nicht in deiner nähe ist?
Nicht nur die Umwelt stellt mir diese Fragen, sondern ich stellte sie mir ebenso. Das war ein langer Prozess sich davon frei zu machen und gänzlich wird es wohl nie weg sein.

Als Credo gilt für mich:
Ich bin keine schlechte Mutter nur weil ich Defizite habe.
Ich bin keine schlechte Mutter weil sie nicht bei mir lebt.
Ich bin auch keine schlechte Mutter wenn es mal Situationen gibt in denen ich laut werde.
Ich wäre eine schlechte Mutter wenn ich mir meiner Probleme nicht bewusst wäre.
Ich wäre eine schlechte Mutter wenn ich meine Tochter nicht schützen würde EGAL vor wem.
Ich wäre eine schlecht Mutter wenn ich nicht an mir arbeiten würde.

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